Sonntag, 29. März 2015

Die Angst vor unseren Träumen

Du stehst vor einer Tür. Der Weg hierher war nicht immer leicht. Es war ein langer, steiniger Weg, der hier und da Entbehrungen mit sich brachte. Doch jetzt bist du hier und das Einzige, das du noch tun musst, ist diese Tür zu öffnen – denn dahinter befindet sich dein Traum. 

Du steckst deine Hand aus …

Während du den Weg hierher gegangen bist, konntest du viel über diesen Traum nachdenken. Hast ihn immer mal wieder etwas anders geträumt, ein paar Details verändert, neue Hoffnungen hinzugefügt. Bald hast du deinen Traum zu einen wahren Schloss werden lassen, und mit jedem Tag kommen neue Zimmer hinzu.
Immer wieder hast du auch darüber nachgedacht, wie dieses Traumschloss in der Realität aussehen wird. Mit jedem Schritt den du gegangen bist, hast du einen weiteren Stein, der deinem Traum im Weg lag, beseitigt, hast neue Erfahrungen gewonnen und den Traum vielleicht sogar etwas verändert. Dir sind neue Dinge eingefallen, die es zu bedenken gibt.

… und zögerst…

Es liegt jetzt in deiner Hand, diesen Traum zur Realität zu machen, ihn zu leben. Die Realität bedeutet aber auch, etwas die Kontrolle zu verlieren. Plötzlich wird es nicht mehr möglich sein, die Augen zu schliessen und den Traum neu zu träumen, auf neue Erkenntnisse einzugehen, ihn zu modifizieren. Die Realität bedeutet, Konsequenzen zu spüren. Die Realität bringt Gefahren für deinen Traum, die du zuvor vielleicht gar nicht bedacht hast und sie bedeutet Angst. Angst davor, dass der Traum sich vielleicht in etwas ganz anderes verwandeln wird, ist er erst einmal Realität. Angst, die Kontrolle über ihn zu verlieren. Angst, in einem Alptraum zu leben. Angst, in deinem Schloss auf dunkle Kammern und Ecken zu stossen, die da nicht sein sollten.
Und plötzlich bist du dir gar nicht mehr so sicher, ob du deinen Traum tatsächlich leben willst. Immerhin hat das Leben seine Schattenseiten und wovon träumt man, wenn das Leben dem eigenen Traum die Farbe genommen hat?

In meinem Fall war der Traum ein eigenes Pferd. Nicht irgendein Pferd, sondern mein Seelenpferd, das ich selbst ausbilden wollte. Es war mein erster und einziger großer Traum. Ich habe ihn seit Kindertagen immer wieder geträumt, auf alle erdenklichen Arten. Ich habe mit meinem Traumpferd alle Orte besucht, die man sich vorstellen kann, jegliche Situationen gemeistert. In meinem Traum waren wir ein Team, wie es kein Hollywoodfilm je gesehen hat. 
Natürlich hat mein Traum sich mit mir und meinen Erfahrungen entwickelt.  Mit dem Alter habe ich zunehmend mehr über Pferde gelernt, meinen Traum immer etwas mehr der Realität angepasst, wohl bedacht, immer einen kleinen Abstand zur Wirklichkeit zu wahren, immerhin war mein Traum meine Zufluchtsstätte.
Mit der Zeit lies ich den Weg zu meiner Traumtür immer weiter hinter mir. Mal ging ich einen Umweg, mal dachte ich schon, ich hätte mich verlaufen. Ich hatte auf meinem Weg zu dieser Tür natürlich die ein oder andere helfende Hand. Menschen, die mich wieder auf Kurs gebracht haben, die mir auf die Beine halfen, wenn ich stolperte. Deren Erfahrung meinen Traum prägten. 
Da war ich nun– und streckte meine Hand aus.
Und in diesem Moment waren sie da, die Ängste. Will ich das wirklich? Kann ich das auch? Was, wenn nicht? Reicht auch das Geld? Soll ich nicht noch etwas warten, mein Traum läuft mir ja nicht davon. Was, wenn mir nicht gefällt, was hinter dieser Tür ist?
Und vor allem: Was genau wartet da hinter dieser Tür auf mich?
Ich holte tief Luft, nahm jeden Funken Mut, den ich in mir finden konnte zusammen – und rannte die Türe ein!

… du öffnest die Tür, und dahinter ist…

Nachdem du es gewagt hast, deine Traumtür zu öffnen, wirst du dir vermutlich erst einmal die Augen reiben. Dahinter befindet sich kein Schloss. Da sind keine Horrorzimmer, keine dunklen Ecken, in denen Gefahren lauern. 

… ein langer Weg.

Alles was du siehst, ist ein Baukasten und Werkzeug. Da sind allerlei Materialien und Farbkübel. Und du bist der Bauleiter. Du entscheidest, wie dein Schloss werden wird. Es liegt an dir, die Zimmer so bunt wie möglich zu gestalten, jede dunkle Ecke mit Licht zu erhellen! 
Es wird viel harte Arbeit werden, deinen Traum zu leben. Natürlich kannst du die Verantwortung abgeben und anderen das Bauen überlassen, doch dann könnte es passieren, dass dir die Zimmer nicht gefallen, oder du die ein oder andere dunkle Ecke finden wirst. Wenn du es durchhältst, wirst du ein Leben lang an deinem Traum arbeiten. Aber keine Angst, da sind viele helfende Hände und da ist ungeahnt viel Energie und Kraft in dir – und plötzlich ist die Realität gar nicht mehr so grau, sondern so bunt, wie du sie machst!


Hinter meiner Tür befand sich eine Wiese. Darauf war ein kleines, braunes Pferd mit weissem Maul. Da war kein Sattel und kein Zaum, keine Bücher über die einzig wahre Reitweise, keine Wegweiser und Gefahrenwarnungen. 

Da waren nur dieses Pony und ich. Hinter der Wiese erstreckte sich die grosse weite Welt. Penny und ich, wir sahen uns an – und liefen los!


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