Montag, 2. März 2015

Zeit, dass wir uns kennenlernen

So da hatte ich endlich mein Pferd. Aber was mache ich jetzt damit?
Es kann doch nicht sein, dass sie sich einfach ihre Beine in den, immer runder werdenden, Bauch steht.
Doch was trainiere ich mit einem zweijährigen Pferd? Wie weit kann ich gehen, damit ich sie nicht überfordere und ihr die Freude an der Arbeit nehme? Welche Erwartungen habe ich überhaupt? Am Ende kam ich zur Erkenntnis, dass erst einmal ich etwas lernen musste – und zwar Geduld.
Mein Pferd war gerade einmal zwei Jahre alt. Hatten meine Eltern im Kindergartenalter verlangt, dass ich ihnen die Navier-Stockes-Gleichung herleite? Nein, Gott sei dank nicht!
Die erste Übung bestand also nicht darin, mit Penny hohe Mathematik zu pauken, sondern mein Pferd erst einmal kennen zu lernen. 

Ich verbrachte viel Zeit mit ihr und den anderen Pferden auf der Weide. Sah zu, wie sie sich den Bauch vollschlug und wie sie mit ihren Herdenmitgliedern so zurechtkam. Schnell lernte ich, dass mein Pony ein ganz schönes Früchtchen war, das Diskussionen zwar nicht unbedingt provozierte, sein Glück aber keineswegs in der Flucht suchte. 
Die zweite Lektion folgte unmittelbar. Immer wieder gab es kleinere Wunden zu versorgen. Und auch hier hatte ich viel zu lernen. Weniger medizinische Sachkunde, als einen ruhigen Kopf zu bewahren und nicht bei jedem Kratzer in Panik und Horrorszenarien zu verfallen. In mir waren auf einmal Ängste, die ich vor Penny nicht gekannt hatte. Innerlich hatte ich Penny schon unzählige Male für so gut wie tot erklärt. Zum Glück wollte sie davon nichts wissen und steht nach wie vor putzmunter und voller Lebensfreude auf der Weide. 

Unser Kennenlernen war damit noch längst nicht beendet. Es folgten viele gemeinsame Spaziergänge, in denen wir die Welt erkundeten. Selbst diese kleinen Spaziergänge waren zu diesem Zeitpunkt viel lehrreicher, als es hundert Logierstunden mit Penny hätten sein können. Ich lernte, dass mein Pferd neugierig und mutig ist. Dass sie bei Angst nicht wegrennt, sondern sich hinter mir versteckt. Pfützen mag sie nicht, Kettensägen, Traktoren und schiesswütige Jäger können mein Pferd jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Penny lernte, dass man sich auf den Zweibeiner wirklich verlasen kann und dass der schon weiss, was er da macht – meistens jedenfalls. Manchmal brachte ich eine Plane, einen Regenschirm oder sonstigen Krimskrams mit zu Penny. Damit sie lernte, vor alltäglichen Dingen nicht zu erschrecken.

Selbst beim Putzen lernte ich. Penny weiss nun, dass ich den Huf nicht loslasse, auch wenn sie noch so
sehr daran zieht und zerrt. Ich weiss nun, wo Penny gerne geputzt wird und wo es wirklich privat wird!
In dieser Zeit mit Penny habe ich etwas gelernt, dass mir kein Trainer abnehmen kann – ich habe mein Pferd kennengelernt. Auf meine einzigartige Weise und ich werde, solange es uns gibt, nicht mit dem Kennenlernen aufhören. Genauso, wie das Vertrauen in Penny nicht aufhören wird zu wachsen. Ich habe viele Facetten meines Pferdes kennengelernt, weiss nun, wie ich ihr Dinge verständlich machen kann, was funktioniert und was nicht. Ich weiss, welche Erwartungen ich an Penny stellen kann, und wann es genug ist.  




In diesem Jahr haben Penny und ich uns eine gute Basis erarbeitet. Jetzt kann das Longieren, die Bodenarbeit und das Reiten nur kommen – wir sind bereit!


Mehr über die grosse Bedeutung kleiner Schritte, erfahrt ihr bei lenina01.
Wie es ist, wenn das eigene Pferd endlich da ist, könnt ihr bei Slaka lesen.

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