Sonntag, 5. Juli 2015

Wer bin ich? Oder zu wem mein Pferd mich macht

Auf die Frage „Wer bist du?“ antworten wir alle ziemlich automatisch. Ich, für meinen Teil, bin Melanie, Studentin. Ich bin Tochter und Freundin, bis auf eine nicht so glückliche Experimentierphase bin ich auch Blondine, meistens gut gelaunt und für allerlei Unsinn zu haben.
Ach ja, und ich bin Pferdebesitzer – und das ist mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

In erster Linie macht mich das zu der Trulla, die einmal, manchmal auch zweimal am Tag bei Penny vorbeischaut und meistens irgendetwas von ihr will. Im gleichen Zug bin ich für sie ihr Laufbursche, Futterlieferant, Putzpersonal, Wehwehchen-Pflegerin und Mädchen für alles. Das kann sie mir auch sehr deutlich zeigen. Sollte der Futtereimer einmal zu wenig gefüllt und deshalb zu schnell leer sein, dann kann mir das Ding schon mal um die Ohren fliegen. In diesem Moment bin ich wohl auch Zielscheibe. Um ehrlich zu sein, bin ich das wohl öfter, als mir lieb ist. Haben sich die Herdenmitglieder mal wieder total doof benommen und sind meiner kleinen, unschuldigen, bemitleidenswerten Maus auf den Zeiger gegangen, dann komm ich ihr gerade recht. Immerhin bin ich Schuld, dass sie mit diesen Trotteln rumstehen muss, dann kann ich ruhig mal was abbekommen. In diesen Momenten bin ich ihr Frustventil


Leider funktioniere ich als Ventil und Zielscheibe nicht so tadellos, wie Penny sich das wünscht. Und ganz ehrlich, ich fühle mich auch nicht zur Zielscheibe berufen. Weswegen ich für Penny oft genug eine herrische doofe Kuh bin. Ich bin Chef-sein-Woller und manchmal lässt sie mich auch ganz Chef sein. 
Ich bin Taktangeber und Fitnesstrainer und Lehrer, zumindest gebe ich mir grosse Mühe, das zu sein, deswegen bin ich auch Reitschüler.

Ich bin Pferde-Bespasser und Bademeister.
Ich bin Sportwagen-gegen-Geländewagen-Tauscher und bei der Autosuche bin ich nicht die, die sich für Sitzheizung und hübschen Felgen interessiert, sondern Maximale-Anhängelast-Frager.

Ich bin, zumindest im Sommer und der Hitze geschuldeter Frühaufsteher.

Ich bin nicht für die Handtasche sondern für den Sattel-Sparer. 

Ich bin Näherin, zumindest für zerrissene Decken und Fliegenhauben ohne grosse Rücksicht auf Ästhetik – der Zweck heiligt die Mittel. 

Hat Penny sich mit ihren Freunden ordentlich in die Wolle bekommen, bin ich Pferdepfleger, Händchen Hufenhalter, Pflaster-Aufkleber und Tröster. Ach ja, ich bin natürlich auch beinahe-Tierarzt. Gleichzeitig bin ich unglaublich besorgt, schlaflos und krank vor Sorge. Wenn es um das Wohl meines Pferdes geht, bin ich aber auch eine Riesenzicke, Streithuhn und Helikopter-Mama.

Obwohl ich Penny regelmässig tierisch auf die Nerven gehe, zeigt sie mir oft, dass ich ihr ein Freund bin. In diesen wunderschönen Momenten bin ich eine Schulter-zum-Anlehnen und ein Vertrauter

Würde ich noch länger nachdenken oder ein paar weitere Tage mit Penny ins Land ziehen lassen, dann wäre ich sicher noch vieles mehr.

Seit gut einem Jahr bin ich also Pferdebesitzer und das macht mich zu viel mehr, als ich ohne Penny jemals hätte sein können.




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