Dienstag, 20. Oktober 2015

Streitkultur

Leise, sanft mit kaum mehr als einem Flüstern kommunizieren. Ein harmonisches Paar werden, dass die Gedanken des anderen kennt und dessen Hilfen so fein sind, dass Aussenstehende sie nicht sehen können, dahin soll unser Weg uns führen.
Doch noch stehen wir ganz am Anfang und manchmal ist es leider alles andere als leise. Gerade ein Jungspund wie Penny tut seine Meinung gerne in aller Deutlichkeit und Lautstärke kund. Sie hat keine Lust und zeigt mir, wer hier der Stärkere ist. Geht mich regelrecht an, besser gesagt, steigt mich an. Dann wird es schnell sehr laut, und ich kann flüstern und sanft sein, soviel ich will, Penny hört mich nicht mehr. Sie ist auf Konfrontationskurs, testet die Grenzen, schaut wie souverän ich wirklich bin.
Diese Momente fallen uns beiden schwer. Ich will doch leise und sanft sein, Harmonie und keinen Streit. Doch wenn ich jetzt nachgebe, schaffe ich Platz für einen groben Umgang, erlaube Penny laut zu werden und mich körperlich anzugehen. Im schlimmsten Fall schaffe ich so ein pöbelndes Pferd, dass Menschen verletzt und später kaum zu handhaben sein wird. Ich lasse einen andauernden Konflikt ausbrechen, einen regelrechten Machtkampf, der eventuell mit Verletzungen endet. Ich will nicht, dass hier irgendwer mit Gewalt gehorsam gemacht wird. Ich will einen respektvollen Umgang – auf beiden Seiten.
Also werde auch ich laut. Rufe Penny zur Räson, zeige ihr, dass dieser Weg zu nichts führt, dekonstruktiv ist.  Ich mache ihr klar, dass ich in diesem Ton gar nicht erst diskutiere und das ich mir nicht alles gefallen lassen muss.
Ich will meinem Pferd ein sicheres, beständiges Umfeld bieten. Ich will, dass mein Pferd sich auf mich verlassen kann, dass es weiss, dass ich uns gut führe. Dazu muss ich in allen Situationen souverän sein, um meinem Pferd Sicherheit zu bieten, also auch bei Diskussionen.
Unser Streit ist meist kurz und heftig. Sobald Penny ihrem Unmut Luft gemacht hat und wieder leise wird, werde auch ich es – Nachtragen gibt es nicht.
Niemals bin ich Penny böse, weil sie nicht „gehorcht“ hat. Jeder von uns hat das Recht Dampf abzulassen und zu protestieren, wichtig ist mir dabei, dass auch hier gewisse Regeln gelten und diese Regeln nicht auf Kraft und Macht aufbauen, sondern einem respektvollen Miteinander folgen.

Die meisten Streits haben wir nur einmal, denn wir beide wissen, dass der laute Weg uns nicht weiter bringt und unser Weg ist noch lang.

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