Donnerstag, 21. Januar 2016

Filmreif – behind the scenes

Hand aufs Herz, wann kamen wir Pferdemädchen das erste Mal mit der vollen Dosis pferdischer Philosophie, aufopfernder Liebe zweier verwandter Seelen oder gar dem Sinn des (Reiter-)Lebens in Berührung? Da die wenigsten von uns auf einer Horseman-Ranch das Laufen lernten, lautete die nüchterne Antwort wohl : Flimmerkiste!
Wer schmachtete nicht im Angesicht von „Black Beauty“, „Flicka“, „Der schwarze Hengst“, „Der Pferdeflüsterer“, „Ostwind“ und all ihren Fortsetzungen, selbst „Bibi und Tina“ tauschten Besen gegen Pferd. Und sogar für die ganz harten Actionkerle gibt´s die 1PS-Power jetzt auch auf Leinwand – bei „Die Gefährten“ wird selbst der Krieg zum Nebenschauplatz. Ja ihr manly men, wir wissen, ihr habt nur was im Auge.
Allen, die sich durch Hollywood inspiriert sahen, einen teuflisch wilden Mustang zu kaufen, bleibt nach dem Erwachen ja immer noch die Option, den „Pferdeflüsterer“ abzuschalten und sich bei einem Kurs bei Monty Roberts anzumelden. Insofern – clever gemacht!
Zurück zu klein Mela, die mit glänzenden Augen vor der Flimmerkiste sitzt.

gefunden auf: www.express.de 
Der Horseman meiner Kindheit ist und bleibt Michel aus Lönneberga mit seinem Lukas! Welches Kind träumt nicht vom geschenkten Gaul. Haus und Hof hatten wir auch, allerlei dumme Ideen sowieso und zur Not hät´ ich sogar mein Zimmer mit dem Hotti geteilt. Die Botschaft hinter Michels Untaten waren nicht schwer zu entschlüsseln „Lass dich beim Scheissebauen bloss nicht erwischen!“. Die Tatsache, dass ich nicht täglich im Schuppen eingesperrt wurde, lag nur daran, dass wir keinen Schuppen hatten, nicht, dass ich mich nicht erwischen lies. Doch Lukas eröffnete völlig neue Wege. Mit so einem Pferd und besten Freund liessen sich doch soooo viel tolle Sachen machen. Und Wegrennen ginge dann auch gleich viel schneller – unser Zwergesel war schliesslich kein Rennpferd und schon gar kein kooperativer Komplize. 
Der Plan zum  eigenen Haferschlinger wurde mir von Michel gleich mitgeliefert. Finde ein Problempferd, reiss dein grosses Maul auf und zeig den Erwachsenen wie´s wirklich geht. Pferde standen genug rum, da würde sich auch ein problematisches zu finden sein, grosse Klappe gehörte zu meiner Grundausstattung und Können tue ich sowieso alles. Also los ging´s!
Hinter jeder Ecke des Pferdestalles lauerte ich auf die Gelegenheit zu zeigen, dass ich einen Huf aufheben konnte. Dumm nur, jeder andere konnte das auch. Bald wurde die Suche nach dem unzähmbaren Teufel langweilig und ein Strategiewechsel unabdingbar. 
Die Erfolgsrezepte waren scheinbar immer die Selben: Ein kleines Mädchen mit grossen Träumen, dem der Herzenswunsch des eigenen Reitesels verweigert blieb. Eine unzähmbare, missverstandene Kreatur, von allen aufgegeben. Im besten Fall ist diese Kreatur ein Hengst. Im Idealfall ist er auch noch schwarz. 
Alles was das kleine Mädchen tun muss, ist das Pferd ganz doll lieb zu haben, etwas Zeit aufzuopfern, um das dem Hotti klar zu machen (so zwischen 20 und 40 Minuten ohne Werbepause) und es den Erwachsenen dann so richtig zu zeigen!
Schwarzes Pferd war nicht… da waren nur Schimmel. Zwar nicht perfekt, aber ich konnte  in meiner Situation nicht wählerisch sein. Der Schimmel wäre dann halt Ausdruck meiner künstlerischen Freiheit. Immerhin war einer davon sogar ein Hengst. Projekt Mela goes to Hollywood konnte starten.
Man, was bin ich um die armen Viehcher rumgesprungen. Hab sie mit Karotten gelockt und mich gefühlt wie Bolle, wenn sie mir hinterher gedackelt sind. Bin auf den liegenden Hengst geklettert und hab gewartet, dass er aufspringt und mit mir in die Freiheit galoppiert. Aber nur bis 18 Uhr, dann gab´s schliesslich Abendessen. Es war doch kaum zu übersehen: Ich hatte die Bestie gezähmt! Wo blieben denn endlich die Kameras?! Drehbuch brauchten wir nicht, unser ganze Leben war schlicht filmreif.
Im Nachhinein kann ich froh sein, dass das Adlerauge meiner Mama nicht alles gesehen hat, sonst hätte sie höchstselbst einen Schuppen gebaut und mit Vorhängeschlössern tapeziert. Mein zweites grosses Glück bestand darin, dass die Pferde meiner Kindheit keine wilden Bestien waren, sondern Seelen von Pferden, die dem irren Rotzlöffel nichts übel nahmen und stets grösste Vorsicht walten liessen.
Klein Mela wurde älter, doch die Traumbilder aus jüngster Kindheit blieben, verstaut in einer Abstellkammer meines Herzens, aber nie wirklich weg. Schliesslich weiss man doch spätestens seit Peter Pan, dass das Erwachsenwerden nur optional ist. Die Sehnsucht nach dem Seelenpferd wuchs jeden Tag. Gleichzeitig wuchs auch die Ernüchterung, war das Leben nun mal kein Hollywoodfilm.

Na, fast wie Michel und Lukas oder? :)
…und dann kam Penny. Die letzten Hürde für meinen ganz eigenen Pferderoman auf Leinwand war genommen. Im Hinterkopf spielte dramatische Filmmusik. Sämtliche Scheinwerfer waren auf uns gerichtet, der Oscar reserviert. Jetzt kann der Welt gezeigt werden, wie Seelenverwandtschaft und Pferdeliebe wirklich aussieht! 
Das Rezept blieb unverändert. Schenke deinem Pferd deine ganze, grenzenlose Liebe. Glaube an euch und halte an deinen Träumen fest und eine Werbepause später sind du und dein Pferd das Traumpaar, das im Sommerkleidchen und Halsring durch die Sonnenblumen galoppiert!
Naja, Hollywood hat da ein paar Kleinigkeiten ausgeblendet. 
Da wäre zuerst der Bauer, dem das Sonnenblumenfeld gehört, der mit Mistgabel bewaffnet hinter dem frechen Gör und seinem Drecksvieh herläuft. Zum anderen ist es scheisse unbequem im Kleidchen ohne Reithose auf nem Pferd zu sitzen… spätestens im Slip pieksen die ollen Hottihaare. Genauso wenig hat Hollywood je gezeigt, wie man den ollen Gaul nach dem Schnappschuss wieder anhält! 
Wenn der Traumgalopp durchs Blumenfeld nicht ist, dann doch wenigstens das obligatorische Steigebild.
Penny lies sich nicht lange bitten. Steigen ist genau nach ihrem Geschmack. In Ermangelung einer Absprache zwischen Ross und Reiter lief unsere Steige-Szene allerdings nicht wirklich optimal und ich war nicht böse, dass ich keinen Fotografen geordert hatte. 
Nachdem auch dieser Traum platze und mich mit Schlamm verschmiert zurück lies, musste doch wenigstens  die Freiheitsdressur zum erhofften Erfolg führen. Ein jeder Filmprofi weiss, ist es echte Liebe, folgt das Pferd auch ohne Strick auf den Fuss. Da meine Liebe grenzenloser nicht hätte sein können, hätte mir der olle Karottenschlinger mit Anlauf in die Arme springen müssen. Tatsächlich folgte sie mir allerdings nur bis zum nächsten Grasbüschel und danach folgte ich ihr, verzweifelt und mit Karotten lockend quer über das Feld des mistgabelschwingenden Bauern…
So und was tut man nun, da aus „Ostwind“ plötzlich Gegenwind wurde?
Man kneift sich in den Allerwertesten und wacht endlich auf! 
So ein Feldporsche wird leider nicht auf Hollywood vorprogrammiert geliefert und Filme, in denen kleine freche Hexen durchs Labyrinth galoppieren und auf Besen fliegen sind vielleicht nicht die optimalen Ratgeber für Pferdeerziehung.
Der Ponyhof ist dreckig, gar nicht glamourös und stinkt, darüber kann selbst die grösste Rosarotebrille nicht hinweg helfen. 
Pferdeliebe ist die optimale Grundlage aber leider kein Allheilmittel. Deshalb bewegen Penny und ich uns jetzt auf dem Boden der Tatsachen, da fällt sich dann auch nicht so weit. Das ist vielleicht nicht immer leinwandtauglich und romantisch, dafür aber zutiefst ehrlich und erfüllend. 


Greifen wir zum Ende nochmal zu den ganz grossen, bedeutungsschwangeren Worten… „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum!“ … und damit...

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