Mittwoch, 3. Februar 2016

Bauchgefühl

Heute leiste ich mal meinen Beitrag zum Bildungsauftrag. So ganz klassisch, mit Wissenschaft und so.
Wenn ich mal nicht über beide Ohren im Misthaufen stecke, dann friste ich mein Dasein in kargen Hörsälen und bekomme allerlei schlaue Dinge an den Kopf geworfen. Das meiste davon ist eher weltfremd… oder vielmehr pferdefremd – kurzum: unbrauchbar. Aber hin und wieder schnappen meine tauben Ohren etwas Nützliches auf. 
Stichpunkt diesmal: Unconscious thought theory
Jaja, ich kann auch schlau ;)
Für alle, die weder Psychologie noch Marketing zu ihren Freizeitaktivitäten zählen, hilft Wikipedia weiter: 
„Unconscious thought theory (UTT) posits that the unconscious mind is capable of performing tasks outside of one's awareness, and that unconscious thought (UT) is better at solving complex tasks, where many variables are considered, than conscious thought (CT).“
Da die Kunst der Wissenschaft  darin besteht einfach Dinge so kompliziert auszudrücken, dass sich jeder Doktor blöd vorkommt, bin ich mal so frei und übersetzte in alltagstauglich.
„Schlaf ne Nacht drüber“ oder „Hör auf dein Bauchgefühl“, für die Romantiker „Hör auf dein Herz“ – ja, so simpel kann´s sein ;) 
So, kommen wir zurück zum Ponyhof.
Ein jeder von euch weiss, dass ein Pferd nichts für Entscheidungsmuffel ist. Jeden Tag stehen Entscheidungen an, die aus der Verantwortung für unsere geliebten Reitesel resultieren. Und viel zu oft sorgen diese für Kopfzerbrechen, Burnout und Haarausfall. 
In seiner Sorge eine falsche Entscheidung zu treffen, neigt der Pferdebesitzer zu rasender Verzweiflung und kognitiven Meisterleistungen. Bei der Anzahl Szenarien, die wir uns ausmalen würde jeder Rechner schlapp machen. Spätestens wenn die Schwarmintelligenz der „sozialen Medien“ auch die abwegigsten Theorien auf den Plan ruft. Sollte die Diagnose der Onlineprofis nicht den Tod des Vierbeiners prognostizieren, verbleibt man oft mit einer Fülle an Handlungsvorschlägen, von denen natürlich jeder das einzig Wahre ist. Kopfschmerzen ahoi!
Genau bei diesem Dilemma setzt nun die unglaublich schlau klingende Theorie an. Hör auf dein Bauchgefühl!
Unglaublicherweise wurden wir Menschen von Natur aus mit einer Lösung für solch komplexe Probleme ausgestattet (da schien die Natur wohl Mitleid mit den uns Reitern zu haben). 
Die Crux an der Sache: unser „Bauchgefühl“ hat die Gestalt einer kleinen, schüchternen Piepsstimme die regelmässig von dem Gebrüll unseres rationalen Rechenzentrums übertönt wird und ungehört bleibt.
Was die Wissenschaftstussi damit sagen möchte: Haltet öfter mal einen Moment inne und geht in euch. Es ist wie beim Reiten. Hört auf euer Gefühl, denn das ist da irgendwo. 
Ein jeder wird eine Situation benennen können, in der er sofort fühlte, was der richtige Weg ist, vielleicht sogar entgegen jeder Vernunft. 
Bei mir was das so, als ich Penny auf der Weide zwischen all den Jungpferden sah. Das Rechenzentrum brülle „Zeit!“, „Geld!“,“Unabhängigkeit!“, „Risiko!“ und noch vieles mehr. Mein Bauch flüsterte „Schicksal“. 
Aber auch bei „kleineren“ Fragen ist mein Bauch stets zur Stelle. Beispielsweise bei der Frage des Reitlehrers. Das Rechenzentrum verlangt nach Trainerscheinen, Erfolgen, grossen Worten. Der Bauch sagt: „Hier fühl ich mich wohl, verstanden und gefördert.“ Oder eben nicht.
Auch bei der Fragen aller Fragen schaltet sich mein Bauch gerne mit ein. Wann beginn ich mit dem Reiten? Was kann ich ab wann von meinem Pferd verlangen? 
All dies sind Situationen bei denen ich neben der blossen Vernunft gerne mein Gefühl konsultiere und so, fast von allein, die richtige Lösung für mich und Penny finde. 
Je öfter ich auf meinen Bauch hörte, desto lauter wurde die kleine Stimme. Mittlerweile hat sich mein Gefühl zu einem guten Berater entwickelt – Intuition. 
Natürlich ist dies kein Plädoyer jegliche Vernunft in den Wind zu schiessen und das zu tun, was einem als erstes einfällt. 
Aber das Leben mit Pferd ist nun mal nicht trocken rational, richtig oder falsch oder gar Schema F. Was als vermeintlicher Fehler begann, kann häufig als goldrichtig enden.
In Situationen in denen ihr also im Dschungel der gut gemeinten Ratschlägen droht verloren zu gehen, nehmt euch einen Moment der Stille und hört auf die kleine Fiepsstimme in eurem Bauch. Und weil Gefühlsmensch oder „aus-dem-Bauch-heraus-entscheiden“ nicht nach furchtbar logischem Problemlösungsansatz klingt, geb´ ich euch die „ Unconscious thought theory“ mit auf den Weg. Damit euer rationales Rechenzentrum ein saftiges Gegenargument erhält und den Bauch endlich mal ausreden lässt.


Also: Immer dem Bauch entlang! – und gebt ihm bloss genug Futter, immerhin muss er Schwerstarbeit leisten ;) 

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