Freitag, 20. Mai 2016

Was wir Reiter von Bikern lernen können – der Reitergruss

Es ist Frühling und sie sind überall – die Motorradfahrer.
Ich gestehe, wenn Penny versorgt und alle Arbeit getan ist, schwinge auch ich mich gerne auf´s Zweirad.
Sobald der Motor an ist und der Reifen sich dreht gehört man zum Bikerclub. Dann ist man einer von ihnen. Ein Teil einer Gemeinschaft von Leuten, mit der gleichen Leidenschaft. Natürlich gibts auch hier feine Unterschiede.
Im Grossen und Ganzen habe ich die Bikerszene bisher aber als sehr solidarisch und hilfsbereit kennengelernt.
Am offensichtlichsten wird das beim Bikergruss. Der sollte auch den Nicht-Motorradfahrern geläufig sein.
Gegrüsst wird unabhängig von Farbe oder Marke des Motorrads (zumindest meistens), es interessiert nicht, ob der Gegenüber eine Harley, eine Enduro oder eine Sportmaschine fährt. Genauso wenig interessiert, welche Motive und Einstellungen der Andere hat. Es wird gegrüsst, weil man eine grosse Gemeinsamkeit hat. Weil man auf diese Art verbunden ist und sich gegenseitig Freude wünscht. Ich wurde als blutiger Fahranfänger auf meiner Klappermaschine freundlich aufgenommen und auch an den üblichen Bikerstopps gegrüsst, ohne das die Nase gerümpft oder getuschelt wurde.

Bei uns Reitern sieht das anders aus. 


Begegnen sich zwei Reiter wird abgecheckt. Was für einen Stil reitet der andere, auf was für einem Pferd, mit welchen Hilfsmittel. Hat das Pferd Eisen, trägt es ein Gebiss?
Ist das ein Freizeitreiter oder ein Turnierreiter, noch schlimmer, ein Westernfreizeitreiter – das arme Pferd. Wie kann der nur… Ein Wunder, dass der Gaul überhaupt noch läuft. Schnell vorbei, am besten im Galopp, soll der Andere doch gucken, wie er seine Mähre im Griff behält.

Wir Reiter begegnen uns in erster Linie mit Vorurteilen. Wir sind nicht einfach Reiter, wir sind Dressurreiter oder Springreiter oder Gebisslosanhänger. Wir sind vieles, aber nicht gleich. Und das wollen wir auch bloss nicht sein, schliesslich haben die anderen ja keine Ahnung.

Ich finde das traurig.

Wir sollten anfangen, die Gemeinsamkeiten zu sehen, schliesslich teilen wir Reiter eine grosse, gemeinsame Leidenschaft – die Pferde. Jeder will das Beste für sein Tier, auch wenn wir dafür nicht die gleichen Wege gehen. Wir richten unser Leben nach dieser Leidenschaft, üben uns in Verzicht und haben ihr sicherlich auch schon die eine oder andere Träne geopfert.

Uns wird es nicht besser gehen, wenn wir andere verurteilen oder ihnen das Leben schwer machen. Es geht uns nicht besser, nur weil der Anfänger sein Pferd kaum noch halten kann, oder der Hengst von unserer Stute um den Verstand gebracht wird. In unserem Sport passieren genug tragische Unfälle, helfen wir einander, gesund und unversehrt abzusteigen.

Es wird Zeit für einen Reitergruss. Sogar die Angler haben ihr „Petri heil / Petri dank“.

Also freuen wir uns doch, jemanden anzutreffen der die gleiche Faszination und Leidenschaft mit uns teilt.
Grüssen wir einander doch mit einem freundlichen „Gut Ritt!“.


In diesem Sinn wünsche ich allen eine wunderschöne Zeit mit euren Vierbeiner. Geniesst jede Sekunde und passt auf euch auf :) 

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