Samstag, 6. August 2016

Unser Weg zum „Buschpony“

Im Gelände fühle ich mich zuhause. Es bietet Entspannung, Freiheit und eine gute Schule für Jungpferde. Es war also klar, dass Penny und ich früher oder später durchs Gelände streifen werden. 
Mit seiner Vielfalt bietet das Gelände uns ideale Möglichkeiten, Trittsicherheit und Körpergefühl zu schulen, aber auch gegenseitig Verantwortung zu übernehmen und die Beziehung zu festigen.

Doch wie wird der kleine Fruchtzwerg zum zuverlässigen Geländepartner? 
So wie es die unterschiedlichsten Pferde-Mensch-Paare gibt, so unterschiedlich sind die Wege, die ans Ziel führen. 
Im Folgenden möchte ich euch unseren Weg vorstellen. 

„ Das Wandern ist des Reiters Lust „ 
Penny und ich unternahmen schon früh kleine Spaziergänge. Am Anfang mit Begleitpferd, als sie älter war auch alleine. Dabei begannen wir mit kleinen Runden um den Hof und die Weiden und bauten diese mit der Zeit immer weiter aus. So schlenderten wir über Felder und Wiesen und durch das eine oder andere Dorf. Auf allen Touren gab es für Penny immer schrecklich viel zu entdecken und zu verarbeiten.

Manche Dinge liessen sie kalt, andere fand sie schrecklich gruselig. 
Die meisten Monster konnte ich entzaubern, indem ich zu ihnen hinging, sie anfasste und Penny dann zu mir holte. Wenn ich das anfassen kann, dann kann es doch nicht so böse sein.
Nach und nach reduzierte ich meine Hilfestellung und lies Penny ihren Weg an den Monstern vorbei selbst finden. 
Bald waren wir ein eingeschweisstes Team und kein Monster konnte sich uns in den Weg stellen.

Wie ihr eure Spaziergänge lehrreich und spannend gestalten könnt,  erzählt euch die Pferdeflüsterei.

Als Penny das Alter und die Reife erreicht hatte, um ihr Leben als Reitpferd zu beginnen, sollten aus unseren Wanderungen kleine Ausritte werden.
Also wurde der Sattel unser Wanderpartner. Das Extragepäck kümmerte Penny nicht weiter. Noch hatte sie ja keine Ahnung, dass ich da auch noch hoch will. Das sollte sich bald ändern.
Nachdem Penny den Reiter in dem sicheren Umfeld des Reitplatzes kennengelernt hatte, war es an der Zeit, sich auch mal im Gelände aufs Pferd zu wagen. Aus unseren Bummelrunden wurden also Bummelrunden mit Reiteinlagen.

Dafür habe ich drei goldene Regeln:

Das Pferd soll Verantwortung übernehmen
Das Pferd darf Fehler machen
Ich habe ein VETO-Recht

Mein Pferd soll ein zuverlässiger Geländeparter werden, der Monster selbstständig bezwingen kann und in der Lage ist, seinen eigenen Weg zu finden. Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass Penny in der Lage ist, Verantwortung für uns zu übernehmen. Sie soll aufmerksam sein, selbst nachdenken und ihren eigenen Lösungsweg finden.*
Dabei ist es unumgänglich, dass sie auch mal eine „falsche“ Entscheidung trifft. Ich lasse sie diese Fehler machen. Schliesslich möchte ich ein selbstständiges Pferd und man lernt am besten aus seinen eigenen Fehlern. Oder habt ihr geglaubt, dass Kerzenwachs heisst ist, bevor ihr selbst die Finger daran verbrannt habt?
Und das führt uns zur dritten Regel – mein VETO-Recht. Manche Entscheidungen Pennys hätten fatale Folgen. Das liegt zum einen in Pennys natürlichen Instinkten, zum anderen ist es fehlender Erfahrung geschuldet. Gewisse Situationen kann Penny noch gar nicht beurteilen und lösen. In diesen Momenten trage ich die Verantwortung. Dann erwarte ich, dass Penny meinem Urteil folgt.
Wie gross der „Spielraum“ für das Pferd ist, orientiert sich individuell an jedem Tier. Je nach Alter, Charakter und Erfahrungswerten kann ich meinem Pferd unterschiedlich viel Verantwortung zumuten. 
Eine Einschätzung, wie viel ich von meinem Pferd erwarten kann, habe ich durch unsere Zeit am Boden bekommen. Führt eine Situation zur Überforderung gehe ich auch auf den Boden zurück.

Und wie sieht das nun in der echten Welt aus?
Das möchte ich euch am Beispiel des „Infotafel-Monsters“ zeigen.

Zu Beginn bin ich alle neuen Wege gelaufen und habe mich nur auf vertrauen Strecken in den Sattel geschwungen. Und das nur dann, wenn Penny entspannt und locker war. Später liess ich Penny sich auch komplett unbekannte Strecken selbst erschliessen. Das Infotafeln-Monster lauerte auf eben einer dieser unbekannten Strecken. 

Der Weg führte uns um eine leichte Kurve. Dass hinter dieser Kurve ein Monster sein Unwesen trieb, wusste ich – Penny aber nicht. Natürlich entging das Gruselmonster nicht Pennys Blick. Sie spitzte die Ohren, wurde etwas angespannt und fragte meine Hilfe an. Von oben kam nix. 
Da meine Anweisungen ausblieb, wurde das Problem an Pennys graue Zellen weitergeleitet. Diese kamen zu dem Schluss, dass man das Monster erstmal im Stand betrachten müsse. Nach einem kurzen Check meldeten die pferdischen Synapsen, dass Pferde auf dem natürlichen Speiseplan von Infotafeln stehen. Flucht wäre da ein guter Plan. Gedacht getan. Penny begann langsam rückwärts zu laufen. VETO. Nachdem Rückwärts keine akzeptable Lösung war und die Tafel uns noch nicht gefressen hatte, vermeldeten die pferdischen Synapsen, dass man sich dem Monster doch etwas nähern könnte. Penny ging einen Schritt nach vorne. LOB. Vorwärts schien also eine gute Idee zu sein. Die Tafel sah auch nicht sonderlich hungrig aus. Also so schnell wie möglich vorbei an dem Ding. VETO. Gut, dann doch nicht so schnell, dafür aber prustend wie ein Drache, damit die Tafel auch ordentlich Angst bekommt. 
Langsam suchte Penny ihren Weg an der Tafel vorbei. Wobei ich sie ruhig lobte, um ihr zu zeigen, dass ich die gewählte Lösung für gut halte. Mit jedem Schritt und jedem Streicheln wurde sie grösser und mutiger. Wer hat auch Angst vor Infotafeln. Wir nicht (mehr)!

Mein VETO fällt dabei so klein aus wie möglich und so gross wie nötig. Manchmal reicht ein tiefes Ausatmen, ein anderes Mal genügt ein „Nein“.
Die meisten Monster sind bei einer zweiten Begegnung schon entzaubert. Penny stockt dann manchmal kurz, findet ihren Weg aber sehr schnell wieder. 
Dabei darf man nicht vergessen: auch Denksport ist anstrengend. Unsere Touren sind nicht gross, für Penny aber durchaus anspruchsvoll. Deshalb kommt es häufig vor, dass unser Ausritt wieder zum Spaziergang wird und ich den Rest des Weges laufe.

Mit unseren drei Regeln haben Penny und ich einen guten Weg gefunden, um unseren Weg zu finden. Immer begleitet von gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme. 

Wir wünschen euch einen guten Ritt und viel Spass im Gelände!


*Mehr zum Thema „Führung abgeben“ erfahrt ihr bei Pferdespiegel.










Kommentare:

  1. Wie handelst du das, wenn andere Pferde das Monster sind? Zb am weidezaun vorbereiten?(an der weide, nicht nur am zaun hahah)meine ist insgesamt recht mutig bei anderen pferden will sie aber gaaanz schnell weg.
    Dein system hört sich sehr gut und vor allem konsequent und strukturiert an.genau wie es sein soll.
    Und großes Kompliment an den toll gelungen Blog!verfolge euch gespannt

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe ihn leider erst jetzt gesehen, also entschuldige die späte Antwort.
      Ich habe das Glück, dass Penny bei anderen Pferden sehr neugierig ist. Würde sie unruhig / ängstlich werden, würde ich die Situation zuerst am Boden suchen. Vlt kannst du die Aufmerksamkeit durch ein paar Übungen auf dich lenken. Bei uns funktioniert "Spanisch Schritt" immer super, um Penny abzuholen. Wenn mein Pferd die Fremden ruhig betrachtet, oder sogar auf sie zugeht, würde ich das loben. Ansonsten wäre ich damit zufrieden, wenn der Fokus bei mir bleibt und die anderen Pferde einfach tolleriert werden.
      Aus der Ferne lässt sich das natürlich immer nur schwer betrachten, da ich auch nicht weiss, wieso dein Pferd das Weite sucht. Ich würde auf jeden Fall zu einer Hilfsperson vor Ort raten :) Vielleicht kann euch auch einmal ein erfahrenes Pferd begleiten. Häufig orientieren sich gerade junge Pferde stark an anderen.
      Ich wünsche euch ganz viel Erfolg dabei, die Monster zu verscheuchen

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  2. Vielen Dank für die Antwort. Ganz so schlimm ist es nicht, wollte nur mal hören, wie andere in solchen Situationen reagieren, gerade weil du dieses klare System hast. Ich nutzte das genaugenommen auch, bevor ich diese genaue Erklärung dazu kannte. Sie kann gucken, soll aber weiterlaufen (stehenbleiben ist bei ihr nicht gut,spannt sich stark an,wenns ganz schlimm ist und sie stehen soll, zeigt sie ansätze des steigens.)deswegen schritt, aber halt schritt.antraben ist nicht.das sie dann schnell läuft ist in dem fall in Ordnung und sie wird eindeutig ruhiger. Übe diese stelle sowohl vom boden aus, als aucu vom Sattel. Meine ablenk übung ist meistens das kopfsenken...das ist uns kn fleisch und blut übergegangen und eig immer abrufbar.wie gesagt danke für die antwort und mach. Bitte weiter mit deinem tollen Blog!
    Ach und sie ist gar nicht jung, aber ein Halbblut und dafür, dass sie so blütig ist, sehr entspannt. Wobei man Schrecklosigkeit ja eig auch nicht an der Rasse festmachen sollte :)

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    1. Das klingt, als hättest du sehr viel Gefühl für dein Pferd und euren Weg, mit Monstern umzugehen, gefunden. Gefühl ist das A und O. Das beste System kann nicht helfen, wenn es nicht zum Pferd passt.
      Danke für die Blumen :) das freut mich sehr und motiviert ungemein weiter in die Tasten zu hauen :D

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