Samstag, 23. Dezember 2017

Pennys wirklich wahre Weihnachtsgeschichte – geschmückt mit massloser Übertreibung und dekoriert mit Fantasie

Heiligabend steht vor der Tür. Ein sanfter Schleier aus Besinnlichkeit legt sich über die Welt. In die Häuser kehrt Wärme ein und es duftet nach Plätzchen.
Bis auf eine Wohnung.
In die kehrte Hitze ein und es riecht nach verbrannten Pferdeleckerli.
Ich muss wohl nicht weiter erwähnen, dass das Haus zu meiner Trulla gehört und ich ganz schön froh bin, dass der Stall in sicherer Entfernung steht. 

Es ist Weihnachtsmorgen.
Die Kinder springen voller Vorfreude aus ihren Betten und plündern das letzte Türchen am Adventskalender. Die Erwachsenen springen ebenfalls früh aus den Federn um noch vor dem grossen Ansturm im Supermarkt zu sein und die letzten Erledigungen zu machen – Weihnachten kommt aber auch immer so plötzlich. Meine Trulla purzelt ebenfalls früh aus den Federn, schleppt sich zum Adventskalender, öffnet das letzte Türchen worauf der Kalender nun endgültig von dem wackeligen Nagel in der Wand fällt, springt in die Stallklamotten und rast zum Stall, ehe all die Einkaufswütigen die Strassen verstopfen.
Leise rieseln die Flocken auf die Bäume herab und unter jedem Schritt knistert der Schnee. 
Wenn ich ehrlich bin „pflatscht" es eher und es ist auch kein echter Schnee sondern nasser brauner Schnee … ok – es ist Matsch. Es schneit auch nicht, es regnet. 
Die morgendliche Ruhe wird je unterbrochen, als die Trulla auf den Hof gerast gefahren kommt. Und weil sie reichlich spät dran ist, ist die Schlammschicht in meinem Fell, die ich extra zum Fest noch mit Sand paniert habe, auch schon angetrocknet.
Geflügelt durch den Geist der Weihnacht lässt die Beste sich dennoch nicht von einem Ausritt durch ihren tropfenden und triefenden Winter-Wunderwald abbringen, der tatsächlich menschenleer ist. Die Sache mit dem positiven Denken scheint wirklich bei ihr angekommen zu sein. Da die Trulla ja nicht auf den Wecker hören wollte fällt der Ausritt auch noch angenehm kurz aus und ich werde mit einer extra grossen Portion Futter beschenkt. Gefällt mir, dieses Weihnachten. 
Auf dem Paddock reicht sie mir noch eine Hand nur halb-verbrannter Kekse, die ich gnädig wie ich bin, erst ausspucke, als sie ums Eck ist. 

Die Trulla muss nämlich weiter. Schliesslich ist Weihnachten. Und vor der Besinnlichkeit kommt erstmal die pure Hektik. Nicht, dass Hektik und Tollpatschigkeit bei meiner Besten etwas Besonderes wären, aber an Weihnachten ist sie damit nicht so alleine. 
Sie flitzt also zum nächsten Supermarkt. Wobei sie knapp drei Nordmanntannen-Träger, vier Weihnachtsmänner und zwei von der Heilsarmee über den Haufen fährt. 
Weil Einkaufszettel etwas für Anfänger sind irrt meine Trulla lieber planlos durch die Gänge und erklärt dem zuhause wartenden Mann, dass alles Ansichtssache wäre. Während er sich auf das Negative konzentriert, nämlich was sie alles vergessen habe, sieht sie die Dinge positiv, immerhin habe sie ja auch an ganz viel gedacht. Ausserdem wären die Regale schon halb leer gewesen, weil der dumme Wecker ja nicht funktioniere! Den Einwurf des Mannes, dass er den Wecker sehr wohl gehört habe, konterte sie geschickt: Frauen hätten von Natur aus nämlich ein anderes Gehör, damit sie die Babys schreien hören und der Wecker wäre eindeutig auf Männer ausgelegt – ewige Diskriminierung! (Kreativ ist sie ja und weil der Mann Weihnachten noch erleben möchte, tut er so, als würde er ihr das abkaufen.)
Ausserdem, berichtet die Trulla, wären die Leute im Supermarkt viel rücksichtsvoller gewesen. Die hätten sie ausnahmslos an der Kasse vorgelassen, was wohl daran läge, dass sie so einen liebenswürdigen Eindruck machen würde.
Der Mann wirft einen Blick auf die durchnässte Trulla, die noch etwas Schlamm im Haar, Fell auf den Stallkleidern hat und streng nach nassem Pferd riecht und schlägt vor, dass sie sich doch bei einem warmen Bad erholen solle, während er sich um den Braten kümmere. Was angesichts der verbrannten Plätzchen und den herausragenden Koch- und Backkünsten der Besten wohl für alle die sicherste Lösung ist, möchten man Weihnachten ohne Magenprobleme überstehen. 
Frisch gebadet und nun wieder wie ein Mensch riechend, widmet sich die Trulla der Dekoration – beziehungsweise, sie sucht die Dekoration. 
Sie ist sich nämlich ganz sicher, dass da heute Morgen noch die Packung mit den Einhorn-Weihnachtskugeln lag. 
Der Mann betont auffällig schnell seine Unschuld am Verschwinden der Kugeln.
Just in diesem Moment ertönt aus dem hintersten Eck der Wohnung ein „Gefunden!“.
Der Mann nimmt sich vor, das nächste Mal gründlicher zu sein. 

Nachdem der Weihnachtsbaum geschmückt ist und – krumm und schief aber halbwegs stabil – im Wohnzimmer steht platziert meine Beste akkurat alle Geschenke darunter. Aber nicht, ohne an jedem – rein zufällig – zu rütteln und bei jedem flachen Geschenk auf eine Schabracke zu hoffen. Generell bekommt die Trulla eigentlich nur noch Sachen für mich oder mit einem Bild von mir drauf geschenkt. Und weil Reiter generell recht einfach gestrickt sind, freuen sie sich immer über Sachen für ihr Pferd oder mit ihrem Pferd darauf.

Als der Braten vor sich her schmort, der Tisch gedeckt und das digitale Kaminfeuer angeschaltet ist, kehrt auch in diese Wohnung etwas Ruhe ein. Zumindest bis der Mann sich an einem Weihnachtsplätzchen vergeht. Was nämlich wie ein dunkelbraun gebranntes Orangenplätzchen aussah, schmeckt eher nach Apfel und…Hafer? Unsicher, ob dies den Künsten seiner Holden geschuldet ist, tastet der Mann sich vor: „Du Schatz, was sind denn das für Plätzchen? Ich kann mich nicht erinnern, dass du die schon mal gemacht hast.“

Die Trulla, die nun ja auch nicht komplett blöd ist, wirft einen Blick auf das Pferdeleckerli, das der Mann in den Händen hält und ist sich plötzlich bewusst, dass sie wohl die falsche Dose mit an den Stall genommen hat. „Das sind Bratapfel-Plätzchen. Man muss auch mal offen für was Neues sein.“ Der Mann schluckt und schweigt.
Zeit für Diskussionen wäre ohnehin nicht geblieben. Der Besuch ist im Anmarsch. Beziehungsweise er stolpert sich seinen Weg durch das Meer an Stallschuhen, dass den Eingangsbereich der Wohnung besiedelt, wirft einen Blick auf die Garderobe, die mit Stalljacken bevölkert ist und sucht sich einen freien Hacken für den Mantel. 
Als alle am Tisch sitzen, das Essen und das Zusammensein geniessen, das ein oder andere Pferdeleckerli Bratapfel-Plätzchen knabbern, die Beste eine Pferdegeschichte nach der anderen zum Besten gibt, legt sich auch über das chaotische Leben meiner Menschen die Besinnlichkeit und alles ist perfekt, so wie es ist. Auf seine ganz unperfekte und einzigartige Weise, die nicht ech wäre, wäre sie eine andere.
Und obwohl ich gemütlich in meinem Stall stehe, bin auch ich immer mit dabei. Weil man alles, was man liebt immer im Herzen trägt. 


Wir wünschen euch wundervolle Weihnachten, ein Lachen auf den Lippen, Freude im Herzen und immer eine Möhre in der Tasche ;) 


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